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Stolz und Vorurteil

So, 14.08.2016, 20:00 - 22:00 Uhr
Unregelmäßige Einzeltermine: 20.08.2016, 21.08.2016iCalendar Standort anzeigen

Die Theatergruppe Eigen:Regie e.V. hat sich für ihr nächstes Stück eine große Aufgabe gestellt. Ein Klassiker soll es sein, doch ohne trockene Monologe und unnötigen Pathos. Die Wahl fiel schnell auf eine Bearbeitung des Weltliteratur-Meisterwerkes „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen in einer Bearbeitung von Edmund Linden.

„Stolz und Vorurteil“ spielt im frühen 19. Jahrhundert in England und handelt von der dem niedrigen Landadel entstammenden Familie Bennet und deren fünf Töchter, die sich im besten Heiratsalter befinden. Besonders Mutter Bennet (Marina Meyer) ist sehr daran interessiert, ihre Töchter unter die Haube zu bringen, bedeutet eine gute Heirat doch finanzielle Sicherheit und einen gesellschaftlichen Aufstieg, zumal Gemahl Bennet (Pascal Hinderks) nicht mehr der Jüngste ist. Und auch einige Verehrer scheint es zu geben: Der dynamische Junggeselle Mr. Bingley (Keanu Goertz) interessiert sich für die älteste und hübscheste Tochter Jane (Eva Rohlfer), die einer Liaison durchaus nicht abgeneigt ist. Sein Freund Mr. Darcy (Niklas Reinken) ist interessiert an der widerspenstigen Tochter Lizzy (Tina Gelert) – wobei diese Anziehung allerdings nicht auf Gegenseitigkeit stößt. Auch Kitty (Christina Wagner) und Mary (Anna Wreesmann) mischen kräftig mit.

Wenig beliebt dagegen ist der Pastor Collins (Nico Martens), ein entfernter Verwandter, der gerne nicht nur eine der Töchter heiraten möchte, sondern auch nebenbei das Anwesen der Bennets erben möchte. Die auserwählten Töchter sträuben sich jedoch.

Der junge und windige Offizier Wickham (Lukas Reinken) fackelt da nicht lange und brennt einfach mir nichts, dir nichts, mit dem Küken der Bennets, der jungen Lydia (Nina Kuhlmann), durch. Welch eine Schande für die Familie!

Diese Fassung des Stoffs verzichtet zwar nicht auf die großen, opulenten Szenen, bringt sie aber in eine Form, die der Bühne und den Spielern gerecht wird. So tritt als Erzählerin Jane Austen (Angela Heyer) auf und gibt der Geschichte zusammen mit der Dienstmagd (Tanja Witte) einen Rahmen.

Warum haben wir uns für dieses Stück entschieden? Dieses Stück hat ein gewaltiges Potenzial.

Zum einen – ein etwas marginaler Grund für die Auswahl – vermittelt es historisches Wissen über die präviktorianische Gesellschaft in England, die einen gesellschaftlichen Umbruch markiert. Die beginnende Industrielle Revolution führt zum Niedergang des Adels und zum Aufstieg des Bürgertums und der Industriellen. Der gerade beendete Krieg gegen Napoleon hinterließ eine desolate Wirtschaft. König Georg III. galt als politisch und geistig schwach. Die Unterschiede zwischen pompösem und dekadentem Hochadel (im Stück verkörpert durch Lady Catherine de Bourgh (Carina Kunert)) und bitterarmem Landadel waren enorm. Die ärmsten Landadligen hatten oft weniger zum Leben als Bauern. Ganz so arm sind die Bennets zwar nicht, dennoch zählen sie zu den Verlierern der gesellschaftlichen Reformen, die bis in die Frühe Neuzeit (Schlacht bei Bosworth Fields 1415) zurückreichen.
Oft wird dem Roman „Stolz und Vorurteil“ vorgeworfen, er sei hoffnungslos veraltet, konservativ und frauenfeindlich. Wir finden das nicht – zugegeben, die Figurenzeichnungen sind nicht unbedingt modern, die Erzählmittel und vor allem das Vorhandensein eines auktorialen Erzählers gehören nicht unbedingt ins 21. Jahrhundert. Aber: Die Themen, die der Roman behandelt, sind durchaus aktuell. Auch in der heutigen Zeit kommt es oft vor, dass wir uns von Vorurteilen leiten lassen, ohne dem Sachverhalt einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Oder dass wir aufgrund von Stolz nicht bereit sind, andere Blickweisen einzunehmen. Wir möchten gern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass oft nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Ein zweiter, unvoreingenommener Blick lohnt immer.

Ähnlich verhält es sich mit der angenommenen Frauenfeindlichkeit: Ja, es gibt Frauen, die stereotypisch gezeichnet sind (Jane, Mrs. Bennet), es gibt aber auch Lizzy. Lizzy weigert sich, den ihr zugedachten Mann zu heiraten, sie lehnt außerdem einen Heiratsantrag eines wohlhabenden Mannes ab, sie trotzt dem Willen ihrer Mutter und lehnt sich gegen gesellschaftliche Zwänge auf. Kurzum: Sie lebt Freiheit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Das ist emanzipiert – und man darf nicht vergessen, dass dieser Roman in einer Zeit geschrieben wurde, in der das noch eine Seltenheit war.

Dennoch mag der Stoff für Zuschauer oft befremdlich erscheinen. Dem wollen wir mit einer Ironisierung beikommen. Ein Beispiel: Die auktoriale Erzählweise wird in der Figur Jane Austen bewusst auf die Spitze getrieben und stellenweise parodiert. Die Erzählerin greift in die Geschichte ein, gibt spitze Seitenkommentare und spielt mit den „Zeiteinstellungen“ des Stücks.
Unser Ziel ist es also, einen absoluten Klassiker der Weltliteratur für Friesoythe und Umgebung erfahrbar zu machen. Wir möchten für das Publikum einen Zugang schaffen in eine Welt, die von gesellschaftlichem Klassensystem und Normierungen lebt und gleichzeitig Individuen vorstellen, die gegen dieses Klassensystem behutsam revoltieren – wir wollen Identifikationsfiguren schaffen, die in der heutigen, oft unsicheren und schnelllebigen Zeit als Orientierung dienen können.

In weiteren Rollen spielen Anne Kamphaus, Merle Themann, Nadja Gilev, Lena Brinkmann, Lill Themann und Linda Thölking. Unterstützt werden wir von Lukas Tholen, Nadine Steenken, Anna-Lena Knurbein, Anna Fortmann, Lena Thieken, Stefan Benken und Tobias Block.

Es werden drei Aufführungen am 14., 20. und 21. August jeweils um 20:00 Uhr im Forum am Hansaplatz stattfinden. Einlass ist ab 19:30.

Karten gibt’s ab sofort unter karten@eigen-regie.de oder an der Abendkasse. Erwachsene zahlen 5€, Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderungen usw. zahlen 3€.

Rubrik
Theater / Tanz

Veranstaltungsort
Forum am Hansaplatz
Veranstalter
Theatergruppe Eigen:Regie e.V.
Kontaktdaten
Telefon: 01523 6699583
E-Mail:
Homepage: www.eigen-regie.de

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